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Vorsatz
1. Finstere Zeiten - Kirchenbuchrapport
2. Reichardts Töchter-Orchester
3. Nachtigallen im Wittekind-Bad
4. Kaiser- und Kinderspiele
5. Kleiner Ausflug in die Legende
6. Wer wohnte in der Seebener Straße 5? -
Adressbuchrapport
Vorsatz
Aus Spalten und Rissen ist das glühende Blut der Erde
emporgestiegen und ausgebrochen, ist zum Porphyr erstarrt, dessen fleisch-
bis rostrote Felsanbrüche mit dem Grün der Pflanzendecke einen
malerischen Gegensatz bilden. So beschrieb der Heimatforscher Erich
Neuss die Gegend zwischen Trotha. und Giebichenstein.
Der besonders herausragende Felsen ist der Giebichenstein, die
Sonderstellung machte ihn, wie viele ähnliche Erhebungen im Umkreis
zu einem heidnischen Kult-Ort. Der Giebichenstein war dem germanischen
Gott Donar geweiht, nachdem unser Donnerstag benannt ist. Dieser Gott war
in bezeichnender Verquickung für Krieg und Fruchtbarkeit gleichzeitig
zuständig.
Der Ort und das Amt Giebichenstein gehörte neben Halle und Trotha zu
den ältesten der Umgebung. Könige und Kaiser hielten sich hier
mehr oder weniger freiwillig auf. Jahrhunderte lang war Giebichenstein Domäne
des preußischen Königshauses.
Die
Seebener Straße wurde erst mit der Zugliederung Giebichensteins zu
Halle am Beginn dieses Jahrhunderts so genannt, sie hieß vorher
Trothaer Straße. Sie führte vom Gasthof Mohr zur Alten Heerstraße,
eine von Gräben begleitete Pappelallee, die durch die Felder führte:
die heutige Reilstraße.
Die Erhebungen Klausberge, Reilsberg, Bergschenke waren früher sämtlich
kahl, ein Verschönerungsverein hatte sie im vorigen Jahrhundert
bepflanzt, um ganz bewußt einen grünen Gürtel um das
stinkige Halle zu schaffen. Die großen Gärten wie Amtsgarten
und Reichardts Garten wurden bereits im 18. Jahrhundert zum Paradies, in
dem sich die romantischen Dichter vor allem in Gesellschaft der vielen
begabten Reichardtschen Töchter in die Natur und sich selbst
verliebten.
In der Mitte des vorigen Jahrhunderts entstand das Bad Wittekind. Nach Bädern
und Trinkkuren wurde sich ausgiebigst ergangen in dem riesigen Park, der
das Viertel zwischen Reilstraße, Röderberg und Wittekindstraße
ausfüllte. Nachts wurde der Park mit Lampions illuminiert, dazu
sangen die Nachtigallen, die es heut noch dort gibt. Von diesen
Lustbarkeiten haben die Bewohner der Seebener Straße 5 nicht viel
mitgekriegt. Ihr Leben als Maurer, Witwen und Arbeiter war alltäglicher.
Dank des Lehrers Friedrich Linke wissen wir auch, was die Giebichensteiner
Kinder Ende vorigen Jahrhunderts gespielt haben. Doch beginnen wir mit den
düsteren Seiten aus dem Kirchenbuch.
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